im wendland
Liebe auf den zweiten Blick: das Wendland
Ganz im Osten Niedersachsens im ehemaligen "Zonenrandgebiet" liegt das Wendland. Im Schatten des Kalten Krieges wurde der abgelegene Landstrich wirtschaftlich lange vernachlässigt und zum Standort für ein atomares Endlager auserkoren. Das hat die Menschen, die hier leben, zusammengeschweißt und gleichermaßen dazu beigetragen, dass hier eine einzigartige Natur erhalten geblieben ist. Zwischen Heide und Elbe bietet sich dem Betrachter heute eine Landschaft, die ihresgleichen sucht. Auf den ersten Blick wirkt der Landstrich mit den gelben Kreuzen als Zeichen des Widerstands gegen ein Atommüll-Endlager in Gorleben nicht gerade einladend. Doch wer die Eindrücke auf sich wirken lässt, wird schnell verzaubert. Die dünn besiedelte Gegend bietet Ruhe und Weite und ist mit ihren Feldern, Wäldern und Feuchtgebieten ein wichtiger Lebensraum für Schwarzstörche, Seeadler, Fischotter und Biber. Zugleich ist das Wendland eine Heimat für viele außergewöhnliche Menschen. Die einheimischen, bodenständigen Bauern sind hier genauso zu Hause wie viele zugezogene Querdenker und Künstler. Das Wendland bietet viel Raum - für die Natur und für die Menschen, die hier leben, arbeiten und kreativ sind.
Naturparadies Elbtalaue
Trotz ihrer großen Bedeutung als Wasserstraße gilt die Elbe auch heute noch als naturnaher Strom. Mit ihren zahlreichen Bögen, Überschwemmungsgebieten und dem Auwald bei Gartow ist sie im Wendland ein Lebensraum zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Seit 1997 genießt die "Flusslandschaft Elbe" deshalb die Anerkennung der Unesco als Biosphärenreservat. Durch den zusätzlichen Schutz der "Niedersächsischen Elbtalaue" bleiben viele natürliche Uferstrukturen erhalten. Mehr als 300 Biber und über 100 Storchenpaare leben beziehungsweise brüten im Biosphärenreservat. Rund ein Viertel des Biosphärenreservats ist bewaldet. Die eingedeichte Elbmarsch lässt bis heute historische Nutzungsformen der Landschaft erkennen. Gräben, Kopfweiden und Obstbaumalleen geben einen Hinweis auf die jahrhundertealte Kulturlandschaft entlang der Elbe. Das Elbschloss in Bleckede dient seit 2002 als Informationszentrum des Biosphärenreservats "Niedersächsische Elbtalaue". Auf einer Fläche von mehr als 1.000 Quadratmetern können sich Besucher einen Überblick über die Vielfalt der Landschaft und ihrer Bewohner verschaffen. Die Umweltwerkstatt, die in einem Seitenflügel des barocken Fachwerkbaus untergebracht ist, bietet Kindern zudem die Möglichkeit, die Natur durch aktives Erleben kennenzulernen.
Am besten zu Fuß
Das Wendland will langsam entdeckt werden. Wer den Rhythmus der Region aufsaugen möchte und die Landschaft genießen will, sollte mit dem Rad fahren. Oder noch besser: wandern. Die wundervolle Natur, das geringe Verkehrsaufkommen und weite Blicke machen die Region zum idealen Revier für ausgedehnte Spaziergänge oder Mehrtagestouren. Auf 73 Kilometern führt der als "Qualitätswanderweg" ausgezeichnete Wendlandweg von Clenze bis nach Hitzacker. Unterwegs geht es durch die Göhrde, den ehemals kaiserlichen Jagdwald, und über den ebenfalls bewaldeten eiszeitlichen Höhenzug Drawehn. Auf überwiegend sandigem Boden ist der Wendlandweg zu allen Jahreszeiten gut begehbar. Unterwegs geht es abseits großer Straßen durch Rundlingsdörfer, über Erhebungen und durch Wälder. Immer wieder bieten sich wundervolle Ausblicke auf die Landschaft. Unterwegs gibt es zahlreiche Möglichkeiten zu Besichtigungen und zur Einkehr. Auf dem Weg liegen zum Beispiel der Findlingspark in Clenze, das Wald- und Jagdmuseum Göhrde und mehrere wildromantische Waldbäder.
Im Wendland sind die Dörfer rund
Nirgends gibt es so viele Rundlinge wie im Wendland. Bei mehr als 100 Dörfern der Region ist diese Siedlungsform noch heute erhalten oder zumindest gut erkennbar. Abseits der großen Wege wurden im Mittelalter in Rundlingsdörfern drei bis zehn Höfe kreisförmig um den gemeinsamen Dorfplatz gebaut. Nur eine einzige Zufahrt führte in den Ortskern. Typische Rundlingsdörfer im Wendland sind zum Beispiel Satemin, Jameln oder Marlin. Dabei stammen die heute noch gut erhaltenen Häuser nicht aus der Zeit der slawischen Besiedelung zwischen 800 und 900 nach Christus, sondern größtenteils aus der Zeit zwischen 1770 und 1870. Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass Rundlinge nicht als Wehranlage oder um einen Viehplatz herum angelegt wurden. Vielmehr handele es sich um eine kommunikative Form der Siedlung. Die Häuser sind einander zugewandt. Die Nachbarn sehen, was der andere macht und leisten sich gegenseitig Hilfe - eine Tradition, die in der Bevölkerung des Wendlands seit Jahrhunderten verankert ist und noch heute vielerorts engagiert gepflegt wird.
Still übers Wasser
Mit dem Elbtal im Osten, den Flüssen Dumme und Jeetzel zwischen Göhrde und Nemitzer Heide und dem Gartower See im Osten ist das Wendland geprägt von großen und kleinen Wasserwegen. Während der Elbstrom mit seiner Auenlandschaft breit durch das Land zieht, schlängeln sich die kleineren Flüsse malerisch durch die Heidelandschaft mit ihren Wiesen und Wäldern. Ob groß oder klein: Die Wasserwege des Wendlands sind ein Naturparadies. Und sie locken nicht nur seltene Tiere und Pflanzen, sondern auch Paddler, die hier ein ideales Tourenrevier finden. Beinahe lautlos über das Wasser gleitend bietet sich ein besonderes Naturerlebnis aus einer ganz neuen Perspektive. Zwischen Lüchow und Hitzacker ist die Alte Jeetzel für Kanuten und Kajakfahrer freigegeben. Eine kostenlose "Infokarte für Kanuwanderer" gibt Auskunft über alles, was Paddler wissen müssen. Wer lieber eine geführte Tour unternehmen möchte, kann zum Beispiel im Großkanu auf der Elbe den Lebensraum von Seeadler und Biber erkunden. Wer einfach nur ein erfrischendes Bad nehmen möchte, findet bei Gartow, Tosterglope oder Bleckede natürliche Badeseen. Bei Seglern und Surfern ist der Gartower See besonders beliebt.
Ungewöhnliche Museen und Ausstellungen
Zweieinhalb Millionen Jahre Erdgeschichte können die Besucher im Findlingsparks Clenzer Schweiz sehen. Hier finden sich massive Steine aus der langen Geschichte unseres Planeten. Zum Teil wurden die Findlinge während der Eiszeiten über Tausende von Kilometern von mächtigen Eisschichten ins Wendland geschoben. Hier sind sie nun spiralförmig zu einer geologischen Uhr angeordnet, Wacholderbäume markieren die Übergänge der verschiedenen Erdzeitalter. Einblicke in die jüngere Geschichte nicht nur des Wendlands gibt das Grenzlandmuseum in Schnackenburg. In dem kleinen Ort, der während der deutsch-deutschen Teilung von drei Seiten von der Grenze umgeben war, gibt es heute eine Menge lebendiger Eindrücke vom Alltag der deutschen Grenzgeschichte zu gewinnen. Der ehemalige Grenzstreifen wurde zu einem Grenz- und Naturlehrpfad ausgebaut und bietet beeindruckende Erlebnisse am Wegesrand.
Auf dem Pferderücken durch die Natur
Mit seiner weitläufigen Landschaft, unzähligen Wald- und Feldwegen und einem dichten Netz an Reiterhöfen ist das Wendland auch eine ideale Region für Pferdefreunde. Reitanfänger können auf den zahlreichen Höfen erste Erfahrungen im Sattel sammeln und sich wichtige Tipps von den Profis geben lassen. Erfahrene Reiter können ausgedehnte Wanderritte unternehmen. Die Höfe sind weniger als einen Tagesritt voneinander entfernt und bieten so Gelegenheit, Naturabenteuer und Komfort miteinander zu verbinden. Auch Pferde dürften sich im Wendland wohlfühlen. Große Weiden, die sie mit Artgenossen teilen können, Reitwege mitten in der Natur und zahlreiche Herbergen, die sich auf Ross und Reiter spezialisiert haben, machen das Wendland auch für Pferde zu einer richtigen Urlaubsregion. Mit einem Satteltaschen-Buch wendet sich der Tourismusverband Elbtalaue-Wendland an Reiter. Darin enthalten sind Karten, Reitwegeempfehlungen und wertvolle Adressen wie Raststationen, Hufschmiede und Tierärzte. Ob auf dem Pferderücken, im Sattel oder zu Fuß: Das Wendland ist eine Reise wert - am besten mit viel Zeit.
Fasten & Reiten....und Wandern